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Die englische Bulldogge, in England einfach "Bulldog" genannt, gilt seit langer Zeit als der englische Nationalhund.

Die Geschichte dieser Rasse ist lang und alles andere als romantisch.

Über die genaue Entstehung dieser Rasse wurde viel spekuliert. Ein Kenner und Freund des Bulldogs schreibt in der Zeitung "Field", dass 1871 eine große Debatte ohne Erfolg über die Abstammung des Bulldogs stattgefunden habe. Es wurde die Frage aufgeworfen ob der Mastiff oder der Bulldog der ältere sei. Allgemein wurde angenommen, dass beide Rassen gleichen Ursprungs und Alters seien. Viele alte Dichter erwähnen einen starken, mutigen Hund "Allan of Chancer" und seine Verwendung bei der Raubtierjagd. Der Name dieser ausgestorbenen Rasse wird verschieden genannt: Alan, Alande, Alant, Alaun, Alauntt und Allan. "Cotgreve" veröffentlicht in seinem französisch - englischen Wörterbuch im Jahre 1632 eine Erklärung über den Allan, den er als Metzgerhund bezeichnet, der den Schlächtern dazu dient ihre wilden Ochsen zu treiben und das Vieh in den Ställen zu bewachen. "Edmond de Langley" war Oberwildpfleger Heinrich des IV.

stevenEr verfasste ein Schriftstück "Master of Game" das hoch interessanten Aufschluss über die damaligen Jagdarten, das jagdbare Wild und die Hunde die zur Jagd verwendet wurden gibt. Hier werden die Hunde in drei Klassen geteilt, wobei die mittlere Klasse eine sehr genaue Beschreibung eines Hundetyps gibt, welcher der späteren Bulldogge in vielen Dingen entspricht.

Eines scheint auf jeden Fall gesichert, die Bulldogge stammt von den doggenartigen molossoiden, die auf römischen und griechischen Friesen und Reliefs abgebildet sind. Mit Händlern können sie auf die Insel gekommen sein, aber natürlich gibt es viele Möglichkeiten, warum Hunde in frühen Zeiten bewusst oder auch unbewusst ausgetauscht wurden. Wenn wir die zahlreichen und seitenfüllenden Spekulationen über Entstehung und Namensgebung einfach überspringen, taucht zum 1. Mal der Name "Bulldog" in einem Brief des Mr. Preston Eaton, 1632, an Mr. George Willingham, in London auf: Der Brief ist sehr familiär gehalten und Mr. Eaton ersucht um Zusendung verschiedener Gebrauchsgegenstände, darunter auch um "Zusendung zweier guter Bulldogs, die unbedingt mit dem nächsten schiff abgeschickt werden sollen." Offensichtlich war er sehr zufrieden mit den Hunden, denn mit dem nächsten Brief bittet er um weitere Hunde, "Kosten spielen keine Rolle, da sie diese, bei der nächsten Tierhatz leicht wieder einbringen würden".

Beschrieben wird der Bulldog der alten Zeit als "ein Tier mit einem breiten Maul, kurzer Nase und massigem Schädel. Die breit gestellten Vorderbeine garantiersophieen dem Tier einen festen Stand und die zurückgeschobene Nase ermöglicht das Atmen mit verbissenem Fang, so dass der Hund nicht loszulassen braucht um nach Luft zu schnappen". Diese körperlichen Eigenschaften waren natürlich geschätzt bei den Kämpfen Hund gegen Hund oder Hund gegen Raubtier u.s.w. Die Varianten an Grausamkeiten in dieser "Sportart" schier unerschöpflich.

Kampflust und Todesmut waren die wichtigsten Wesenseigenschaften der für die Tierhatz gezüchteten Hunde. Und dass sie dafür gezüchtet wurden, steht außer Zweifel, Es gibt genügend Literatur über dieses furchtbare "Freizeitvergnügen", das vielen Menschen über Jahrhunderte hinweg auch als Einnahmequelle diente diente. Das Lesen dieser, zum Teil authentischen und schrecklich detailgetreuen Berichte lehrt uns aber sicher eines: Niemals waren es die Tiere die grausam waren. Sie handelten gemäß ihrer Instinkte, ihrer Erziehung und Prägung, die man ihnen angedeihen ließ. Alleine der Mensch ist verantwortlich für diese Abartigkeiten. Allen Tieren, die in der Vergangenheit auf so schreckliche und unwürdige Weise ihr Leben lassen mussten, sollte unser ganzes Mitgefühl gelten.

Mit unserer heutigen Einstellung der Natur und dem Tier gegenüber erscheint uns eine solche "Freizeitbelustigung" undenkbar. Man muss aber bedenken, dass die gesamten Lebensumstände der Menschen damals grundlegend anders waren als heute. Die Menschen der damaligen Zeit hatten eine ganz andere Einstellung zum Leben und zum Tod. Nächstenliebe und Menschenrechte im heutigen Sinn, die von jedem von uns, mit absoluter Selbstverständlichkeit eingefordert werden, waren unbekannt, wer hätte da ein Recht für Tiere einfordern mögen. Umso verwerflicher und unbegreiflicher für den normalen Menschen ist hingegen, wenn auch in unserer Zeit immer wieder von Hundekämpfen die Rede ist. Wenn auch nur vereinzelt und das meist nicht in unseren Breiten.

Als 1835 die Hundekämpfe in England verboten wurden, schien der Bulldog zwar von diesen geschichte4Gräuel erlöst zu sein, aber es drohte ihm nun eine neue Gefahr, niemand brauchte und wollte ihn mehr, er geriet in Vergessenheit. Als es fast schon zu spät war, fanden sich doch einige Freunde dieser mutigen Hunde. Sie schlossen sich zusammen um diese Rasse vor dem Aussterben zu bewahren. As sich auch die englische "Society" für die Rasse interessierte, ging es mit der Zucht steil bergauf.

Der erste Hund dieser Rasse, der in das neu gegründete Zuchtbuch eingetragen wurde hieß "Adam" und wurde 1864 geboren. Bulldog Nr. 2 war bei seiner Eintragung bereits 10 Jahre alt, sowie viele Hunde der 50er Jahre des 19ten Jahrhunderts die nach und nach registriert wurden. Die Stammbäume dieser Hunde sind eher interessant als absolut zutreffend, da die Abstammung, der bei ihrer Eintragung zum Teil recht betagten Hunde, meist nur mündlich überliefert war. Die Hunde trugen außer den eigenen Namen auch die Namen ihrer Besitzer, so z.B. "Gentleman Brown" dessen Besitzer eben ein Mr. Brown war.

Auf den ersten Ausstellungen stellte der Bulldog bald eine Sehenswürdigkeit dar. Im Jahr 1860 gab es erstmals eine eigene Klasse für Bulldoggen. Das Interesse an der Bulldogzucht nahm rasch zu , nachdem die besten Vertreter der Rasse wie z.B. "King Dick" der auch das erste Championat (1865) gewann, "großes Aufsehen durch ihre Ruhe und Schönheit und absolute Gutmütigkeit erregten". Ein Beweis dafür, dass es den Anhängern der Rasse in beharrlichen Bemühungen gelang, die Tugenden der Rasse zu erhalten und den Bulldog zu dem zu formen was er heute ist: Der Gentleman unter den Hunden.

Er kann aufgrund seines grimmigen Aussehens und seiner natürlichen Distanz zu Fremden absolut auch als Bewacher von Hab und Gut verwendet werden, ist aber im nächsten Moment Spielkamerad der Kinder, wie würdevoller Begleiter seines Herren.

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